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Meine neue Wohnung

Sechs Tage vor meinen Deutschland-Ferien hat die Universitätsverwaltung bekannt gegeben, dass der Mietvertrag für meine alte (Dienst)wohnung Ende 2006 ausläuft und nicht erneuert wird. Auf die Schnelle was Neues zu finden war natürlich nicht möglich, und so bin ich dann erstmal nach Hause geflogen und habe die Germanisten für mich suchen lassen. Mitten in den Ferien bekam ich dann eine Mail, in der Erfolg gemeldet wurde. Ein bisschen außerhalb sollte die neue Wohnung sein, aber größer als die alte und auch einigermaßen in Schuss („nicht neu, aber sauber“). Als ich ankomme – wie immer fix und fertig nach 24 Stunden Fliegen und Auf-Flughäfen-Herumsitzen – ist mir sowieso alles egal, aber bis ich hier wirklich wohne (und nicht nur schlafen kann), vergehen gut drei Wochen.
Die Umzugshelfer haben zwar meine Möbel in die Wohnung geschafft, aber die des Vormieters nicht abtransportiert. Jetzt bin ich der stolze Eigentümer von zwei großen Ventilatoren, zwei Fernsehern, zwei Kühl- und drei Kleiderschränken, die sinnlos herumstehen. Hat aber auch sein Gutes: Einer von den Kleiderschränken sieht deutlich besser aus als mein alter, der in der koreanischen Lieblingsfarbe türkisgrün gehalten war, und weil mein Kühlschrank auch nicht viel mehr kühlen muss als Bier und Pflaumenwein, reicht auch ein kleiner.
Die Beschreibung der Wohnung als „nicht neu, aber sauber“ (s.o.) ist auch einigermaßen geschmeichelt. An den Wänden zeigen tiefschwarze Ränder, wo die Bilder des Vormieters hingen, auf dem Fußboden muß irngendwann mal jemand eine frisch gestrichene Kiste abgestellt haben – nur so ist der riesige, leuchtend rote Fleck darauf zu erklären – und über das Bad sage ich besser mal nichts. Nach ein paar Tagen vergeblichen Schrubbens ist klar: Wenn das hier wohnlich werden soll, muss ich’s renovieren lassen. Das macht zwar in Korea normalerweise der Vermieter, aber die Uni hat dummerweise den Mietvertrag schon unterschrieben, und jetzt ist natürlich nichts mehr zu wollen, d.h. die Renovierung geht auf meine Rechnung.
Das ist nun in Korea glücklicherweise deutlich günstiger als in Deutschland. Wie eine Studentin für mich rausfindet, soll es umgerechnet 500 Euro kosten – dafür wird die Wohnung neu tapeziert, und ein neuer Boden verlegt. In einem Malergeschäft von der Größe meines Büros sichte ich das (entsprechend schmale) Angebot, und die Studentin übersetzt mühsam, warum ich die Tapeten, die mir gefallen, nicht haben kann: Nur noch Reste – müssen erst bestellt werden und so weiter, und so fort. Nach einigem Hin und Her finde ich dann doch noch was, das vorrätig ist, und es muss nur noch ein Termin gemacht werden. Am nächsten Freitag (da unterrichte ich in Taejon an der Fremdsprachenoberschule) sollen die Möbel wieder raus, und am Samstag um 8 Uhr 30 früh soll es dann mit dem Renovieren losgehen.
Als ich am Freitag nach dem Unterricht wieder nach Kongju komme, eröffnet man mir, dass die Möbel noch immer in der Wohnung stehen. Man habe sie nun doch nicht ausgeräumt, weil es geregnet hat. Dafür gibt es jetzt einen neuen Plan: die Maler sollen mir am Samstag früh mit dem Ausräumen helfen. Weil die aber, wie ich zufällig am Rande erfahre, gar nichts von ihrem Glück wissen, quengele ich dann doch noch so lange herum, bis die Assistentin zum Telefon greift und mich schließlich mit dem Versprechen verabschiedet, dass morgen um halb acht drei Studenten zum Helfen vorbeikommen. Es sind dann zwar nur zwei, und die kommen erst um viertel nach acht, aber immerhin... Schließlich ist die Wohnung glücklich leer, und gerade, als wir das letzte Stück raustragen, rollt der Maler mit einem Gehilfen, seiner Frau und seiner etwa vierjährigen Tochter an. Gegen 16 Uhr wollen sie fertig sein, und da sie mich sowieso nicht brauchen können, lasse ich ihnen den Schlüssel da und verschwinde ins Büro. Am Nachmittag ist es dann endlich soweit, und jetzt sieht es tatsächlich aus wie eine Wohnung. Die alten Möbel werden am Montag abtransportiert, der überzählige Fernseher geklaut – jetzt kann das Semester anfangen.

1.3.07 10:35, kommentieren

Mein Badezimmer

Ohne mäkeln zu wollen, aber mein Bad ist ein einziger Konstruktionsfehler.



1. Die einzige Steckdose ist so weit vom Spiegel entfernt, dass kein Rasierapparatkabel der Welt hinreicht. Folge: Ich rasiere mich blind und überlege, was „Könnte man da eventuell noch eine Steckdose setzen lassen?“ auf Koreanisch heißt.
2. Im ganzen Bad gibt es keine einzige Möglichkeit, irgendetwas abzulegen, es sei denn, man zählt den Toilettendeckel. Folge: Ich kaufe Badregale/-ablagen mit riesigen Saugnäpfen zum „An-die-Kacheln-Pappen“, die aber nur „suboptimal“ an der Wand haften, da a) die Oberfläche der Kacheln nicht wirklich glatt ist, und es b) Shampoo, Duschgel usw. nur in rieseigen (und entsprechend schweren) Packungen ab 0,5 Liter aufwärts gibt.
3. Das Bad hat weder Bade- noch Duschwanne, sondern einen Abfluss im Boden. Folge: Wenn man duscht, muss man den Raum unter Wasser setzen.
4. Da es auch kein Fenster gibt, soll die Feuchtigkeit durch einen Lüfter abgesaugt werden, der mit dieser Aufgabe aber erstens überfordert und zweitens am Stromkreis für die Beleuchtung hängt: Kein Licht, keine Lüfterleistung. Folge: Das Bad ist der bestbeleuchtete Raum der ganzen Wohnung.
5. Der Halter mit dem Toilettenpapier befindet sich nicht neben der Toilette, sondern unmittelbar dahinter. Folge: Wenn man das Papier braucht, kommt man nicht ran. Es ist ein Drama...

4.3.07 10:37, kommentieren

Möbeltransport

In meiner Wohnung hat mittlerweile alles seinen Platz gefunden, die Saugnäpfe halten, was sie halten sollen, nachdem ich mein neues Himbeer/Preiselbeer-Duschbad (die Entscheidung war ein schwerer Kampf, da außerdem noch Lavendel/Vanille, Bergamotte/Zitrone und Rosmarin/Minze zur Wahl standen) in eine kleinere und damit leichtere Flasche umgefüllt habe. Einen runden Tisch habe ich mir auch noch gekauft und zwei Regale, damit ich meine Bücher nicht im Büro unterstellen muss. Mein französischer Kollege hat mir netterweise geholfen, sie in meine Wohnung zu schaffen, was gar nicht so einfach war, da wir auch noch einen Fernseher dabei und die Größe seines Autos ein bisschen überschätzt hatten. Es endete damit, dass ich vorne mitgefahren bin mit dem Fernseher auf den Knien, mich aber während der (glücklicherweise kurzen) Fahrt ständig nach hinten drehen musste, um die Tür zuzuhalten, die wegen der Regale hinten nicht ganz zuging. Francois ist dementsprechend langsam gefahren - man will ja das Schicksal nicht zu sehr herausfordern - was grundsätzlich schon eine gute Idee war, die wir aber vielleicht nicht gerade während der rush hour hätten realisieren sollen - ach haben die alle gehupt *lach*! Hat uns aber nicht allzu sehr gejuckt, denn Verkehrsregeln halten Koreaner sowieso eher für unverbindliche Empfehlungen, und man muss sich ja den Sitten des Landes auch ein bisschen anpassen.

6.3.07 09:56, kommentieren

Mein Kühlschrank

Bei der Möbeltauschaktion habe ich meinen alten großen Kühlschrank rausgeschmissen und den kleinen des Vormieters behalten. Weil keine Bedienungsanleitung mehr da war, habe ich den Temperaturregler auf gut Glück auf die mittlere Stufe gestellt. Das ging ein paar Tage lang gut, heute war dann das Eisfach abgetaut und im Kühlfach Wasser und Orangensaft fest gefroren. Rätsel über Rätsel...

10.3.07 10:38, kommentieren

Haarwuchsmittel

Meine Koreanisch-Kenntnisse sind wie die Haar auf meinem mittlerweile über 40 Jahre alten Schädel – schütter. Trotzdem (oder gerade deshalb) ist es nicht erstaunlich, dass ich den älteren Herrn, der mich heute morgen an der Bushaltestelle zum Kauf eines Wunderhaarwuchsmittels überreden wollte, fast sofort verstanden habe. Die Unterhaltung nahm ungefähr folgenden Verlauf:
Er (auf Koreanisch): Sprechen Sie Koreanisch.
Ich (auf Koreanisch): Nein.
Er – von meiner Antwort unbeeindruckt - zieht ein Foto von sich aus der Tasche und redet auf mich ein.
Ich verstehe nichts.
Er zeigt auf das Foto („vorher“) danach auf seinen Kopf („nachher“) und zieht schließlich eine Ampulle mit der revolutionären Tinktur hervor, die das Wunder bewirkt hat.
Ich überlege, wie „Und wo ist jetzt der Unterschied?“ auf Koreanisch fragt.
Solche haarigen Probleme scheinen hier gang und gäbe, denn fast an jeder Ecke hängen Werbeplakate für Mittelchen, die Koreanern im besten Alter wieder Hoffnung geben sollen. Es ist immer der gleiche Aufbau: Links ein traurig dreinblickender Herr mit Glatze, rechts der selbe als Jüngling im lockigen Haar, der wie ein Honigkuchenpferd grinst. Ich vermute, dass diese Form von Eitelkeit aus den Zeiten kommt, in denen die Haartracht in Asien noch etwas über den sozialen Status, in Korea auch über den Familienstand aussagte: There is a very curious custom in Corea as to how you should wear your hair, and a great deal of importance is attached to the custom. If by chance you are a bachelor--and if you are, you must put up with being looked down upon by everybody in Corea--you have to let your hair grow long, part it carefully in the middle of your skull, and have it made up into a thick tress at the back of your head, which arrangement marks you out as a single man and an object of sport, for in the Land of the Morning Calm it seems that you can only be a bachelor under the two very circumstances under which we, in our land of all-day restlessness, generally marry, viz., if you are a fool and if you have not a penny to live upon! When thus unhappily placed you rank, according to Corean ideas, as a child, no
matter what your age is (...). (A. Henry Savage Landor: Corea).

Eine der vielen Varianten von Kimchi ist als „Junggesellen-Kimchi“ bekannt, weil die Form der dafür verwendeten Rettiche, an denen noch die Blätter hängen, an diese Zopftracht erinnert.

17.3.07 10:40, kommentieren