Neues aus Pjöngjang

Dieses Wochenende war ich in Seoul auf unserer Lektorenversammlung und da war zum ersten Mal auch ein Lektor aus Pjöngjang dabei. Weil es bis zuletzt nicht sicher war, ob sie den in den Süden reisen lassen, hatten die Organisatoren seinen Vortrag als letzten vor dem Abendessen angesetzt, und da alle vorher fleißig überzogen hatten, und alle schon ziemlich hungrig waren, war der interessanteste 'Vortrag auch zugleich der kürzeste. Aber beim Abendessen gab es dann doch noch Gelegenheit, ihn ein bisschen zu löchern. Er hat ein paar Fotos rumgezeigt (Unterricht im Winter im ungeheizten Klassenraum, Pjöngjang bei Nacht, ohne Strom) und uns dann mal einen Text zu lesen gegeben, den eine seiner Studentinnen über das Wirtschaftssystem Deutschlands geschrieben hat. Der war nicht nur sprachlich fast auf Muttersprachlerniveau, der war auch völlig frei von jedem ideologischen Blech und Lobeshymnen auf das Regime: Einerseits die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnlänger zur Gewinnmaximierung, andererseits Kultursponsoring durch Unternehmen und Beiträge zur Sozialversicherung. Einerseits die guten Absichten der Planwirtschaft, andererseits Umschwenken Chinas zur Marktwirtschaft. Scheint doch offener geredet und gedacht zu werden im Norden, als man annimmt und was den Unterricht angeht, gibt es für den Lektor keine Vorgaben außer "Keine Pornographie" und "Keine antikommunistische Propaganda" (und letzteres wird weit gefasst - "Good bye Lenin" konnte er seinen Studis jedenfalls zeigen) - andererseits: Unter zehn Studenten gibt es mindestens zwei, die berichten (und die kennen einander nicht), du brauchst ein Visum, wenn du die Stadt (!) verlassen willst, und Kontakte zur Bevölkerung sind verboten; der kann nicht mal mit seinen Kollegen abends ein Bier trinken gehen, wenn die nicht ins Arbeitslager wandern sollen. Eine eigene Welt...

2.6.07 04:51, kommentieren

Hakenkreuz und Hühnerbrühe (T-Shirts mal wieder)

Gestern war ich in Seoul auf einer Grillparty eingeladen, und da die sich etwas hinzog (bis gegen 4 Uhr morgens ungefähr), bin ich heute nicht gerade der Munterste, aber so müde, dass in Seoul alles an mir vorbei gegangen wäre, war ich dann doch nicht - und so habe ich nicht nur einen Stand entdeckt, an dem man kandierte Karotten kaufen kann (überraschend lecker), sondern auch - mal wieder - ein T-Shirt mit "US Army" vorn und Reichsadler/Hakenkreuz hinten und eine Frau, die sich eine Gurkenmaske aufgelegt hatte. Wohlgemerkt: In der U-Bahn. Es stellte sich dann zwar raus, dass sie einen Gurkenhobel verkaufte, aber skurril wars schon.
Apropos T-Shirts: Da ich ja nie meine Kamera mitnehme, wenn ich einfach so in der Stadt unterwegs bin, kann ich's nicht beweisen, aber ich habe auch schon deutsche T-Shirts gesehen: Auf dem einen steht "Eine Million Volkswagen-Transporter", auf dem anderen (mein absoluter Favorit): "Hühnersuppe - Diese Brühe ist von guter Qualität" - ein Traum in Magenta und giftgrün...

1 Kommentar 27.5.07 05:00, kommentieren

Gemeindefest

Das Fest der deutschen evangelischen/katholischen Gemeinde ist jedes Jahr ein Riesending mit koreanischer und deutscher Musik, Leberkäs und Weißwürsten vom deutschen Metzger, viel Bier und Wein, einem Bücherflohmarkt und einer Tombola, auf der als Hauptpreise zwei Lufthansa-Flüge nach Europa winken. Kati, meine Kollegin aus Taejon, und ich, haben uns geschworen, dass wir erst dann endgültig aus Korea weggehen, wenn wir so einen Flug gewinnen, aber bekanntlich ist das Glück ein Rindvieh und sucht seinesgleichen. Beim letzten Mal habe ich drei identische Campinglampen von Osram gewonnen, dieses Mal warens drei Flaschen Nivea-Duschbad (ok - das ist ziemlich teuer hier, so dass man sagen kann, ich habe das investierte Geld wieder rausbekommen, aber duschen kann ich jetzt bis ich hier in Rente gehe), und Kati hatte irgendwelche fensterkittartige Süßigkeiten und ein hässliches Lufthansa-Stofftiermaskottchen. Das wäre ja alles noch ok gewesen, wenn der Typ am Nebentisch nicht zwei Flaschen super Rotwein und ein Luxusmenü im Seoul Hilton gewonnen hätte. Some people - really....

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Lehrertag

Heute ist Lehrertag, und da haben die Lehrer zwar nicht frei, bekommen aber eine ganze Menge Geschenke. Nachdem es in den letzten Jahren Hochprozentiges bzw. ein passendes Hemd und eine nicht passende Hose waren (viel zu kurz und viel zu weit – Dirk Bach hätte seine Freude dran gehabt), habe ich dieses Mal bekommen:
1. ein selbstgebasteltes Poster für meine Bürotür (“Lehrertag – Vielen Dank!”)
2. eine Flasche Orangensaft
3. ein großer Block “Ddok” (Reiskuchen mit der Konsistenz von Fensterkitt und dem Geschmack von Watte – ein Bissen sättigt für Wochen)
4. ein T-Shirt (grau) mit koreanischen Masken
5. eine große Kiste mit Ginsengsaft und –Tee
6. eine Karte in einer Sprache, die vielleicht Deutsch ist, wahrscheinlich aber nicht... Ich zitiere mal: “Dear Professor Raithel,
Hallo! Wie geht’s Ihnen? Professor. Heute ist es ein Tag des Lehrers. Es weiß möglicherweise? Auch Professor weiß, aber der der Tag des Lehrers ist der Tag als er Dank gibt.”
So weit, so klar... Das nächste ist schon ein bisschen schwieriger:
“Es war wie das und als mit Ji-Yon es die zusammen klein vorbereitete. Wenn es zweifellos im Verstand hält.”
Ji-Yon ist die beste Freundin der Verfasserin; das mit dem Verstand heißt vermutlich, dass irgendjemand irgendetwas nicht vergessen wird... Aber weiter:
“Sofort vom Sommer und im Wochenende, wenn es im vorgewählten Seoul überschreitet, im Qual Ende gut. Der Platz, in dem es nicht ein deutscher Sprachenbrunnen kann, den, es immer gut in uns unterrichtet und es geben von danken Ihnen.
Der Brunnen ist möglicherweise so eine Art “Quelle des Wissens” (= ich), und man bedankt sich für den guten Unterricht, aber hier kann ich auch nur raten.
“Zukünftig wird der Kursteilnehmer, der sich begeistert entwickelt.”
Gute Vorsätze
“Guten Tag des Professors nur zum immer, den es voll ist wünscht. Die Grammatik ist falsch,
oh well...
oder Bedeutung ist unterschiedlich, aber sie versteht,
na klar...
und verlegt sie wünscht. Danke schön. Tschüs!
Jetzt mal ehrlich: Ist das nicht supernett? (Und mein Koreanisch ist noch schlechter...)

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Kirschen

Korea ist voller Kirschbäume, deren Blüten jedes Jahr zu Recht gefeiert werden und den Startschuss in den Frühling geben. Kirschen als Obst gab es bisher, wenn überhaupt, nur in irgendwelchen Feinkostgeschäften in Seoul. Dieses Jahr sind sie zum ersten Mal auch in der Provinz zu haben, und weil’s noch keiner kennt und es was Besonderes ist, ist es erstmal richtig teuer: 100 Gramm für gut 5 Euro. Das habe ich dann doch gelassen – für das gleiche Geld bekommt man kiloweise Bananen...

11.5.07 09:53, kommentieren